Kann Paranoia dein Leben retten?

"Rosemary's Baby" ist ein Klassiker aus dem Jahre 1968 von Roman Polanski. Die Handlung spielt in einem alten Mietshaus in New York, in dem schon seit längerem immer wieder seltsame Vorfälle passieren. Das junge Ehepaar Rosemary und Guy Woodhouse zieht dort frisch ein und als Rosemary schwanger wird, beginnt eine Reise ins Grauen. Denn offenbar praktizierten die Nachbarn schon früher geheime Schwarze Messen und um Rosemary herum passieren immer wieder alptraumhafte Dinge. Ihr Ehemann wird immer seltsamer und gleichgültiger um ihren Zustand, der sich von Tag zu Tag verschlechtert, und obendrein werden ihre Nachbarn immer besitzergreifender. Rosemary beginnt zu begreifen, dass um sie und das Baby ein Einkommen stattgefunden hat, eine Verschwörung, und sie setzt alles daran, aus ihrem Alptraum zu erwachen.

Das perfekte Halloweenmovie und nichts für schwache Gemüter. Vorallem aber trügt der Schein der perfekten, liebevollen jungen Beziehung von Rosemary und Guy und der der netten, fürsorglichen Nachbarn. Die rasante Abfahrt in die Hölle ist fesselnd und verstörend. Das Schlimmste ist, das der Film nicht offensichtlich die Teufel und bösen Geister erscheinen lässt (ausgenommen Rosemary's Empfängnis durch den Teufel), sondern die Ereignisse um die süße, naive Rosemary immer enger zusammenschnürt und der Zuschauer selbts in diese aussichtlose Lage hineinversetzt wird.

Die Frage, die ich mir bei diesem Film gestellt habe, ist:
Kann Paranoia tatsächlich dein Leben retten?
Wenn ja, ist ein klein wenig paraniod sein gesund?


Denn die Hauptfigur, Rosemary, könnte naiver gar nicht sein. Sie nimmt die Kräutergetränke , Pillen, Schokoladenpuddings von ihren Nachbarn an, obwohl sie bemerkt, dass sie komisch schmecken und ihre schwangeren Freundinnen so etwas nie verordnet bekommen haben. Sie begibt sich quasi selbst in die Arme der Satananhänger und realisiert erst gegen Ende, dass hier was enorm schief läuft. Auch wehrt sie sich nicht gegen Anweisungen ihrer Nachbarn und ihres Mannes, zu dem einen Arzt zu gehen ( zum Schluss erfährt man, dass auch er zur Satansekte gehört).

Aber mal ganz ehrlich, glauben wir oder wollen wir nicht auch immer an das Gute in den Menschen glauben? Suchen wir nicht immer eine simple Erklärung für etwas, das offensichtlich ist? Zugegeben, das alle deine Nachbarn einschließlich deines Mannes unter einer Decke stecken, und deinen Leib dem Teufel schenken, das ist nicht unbedingt etwas, das ich sofort vermuten würde. Aber alles anzunehmen, was man erhält, ist nicht gesund. Denn ob es jetzt der nette 1000 Schokoladenpudding und Kräutermischung des Tages ist, oder das gratis Zeitschriftenabonnement, oder der nette Mann in seinem Mercedes, der einen um halb 4 nachts an der Straße aufgabelt, sollte man sich nicht immer erst mal fragen, was wäre, wenn? Könnte diese Person vielleicht nicht so ehrliche Absichten haben, wie sie immer vorgibt?
Einer Klassenkameradin von früher ist es so ergangen, sie war naiv und glaubte stets an das Gute, und entkam gerade noch rechtzeitig aus dem Auto. Denn mal ehrlich, in einer Welt wie unserer, wo man ständig neue Nachrichten von Überfällen, Morden und Erpressung, Schlägereien und Betrug gibt, ist es da nicht nützlich, ein bisschen paranoid zu werden? Ein bisschen Zweifel an den Tag legen, ob jeder ehrlich ist? Ob alle nur das Beste für einen wollen? Ein bisschen Selbstschutz, so würde ich diese "gesunde" Portion an Paranoia beschreiben.
Ich glaube eigentlich an den guten Menschen, der ehrlich und hilfsbereit ist, aber ich werde oft enttäuscht. Ich habe gelernt, dass ich in einer leeren Straßenbahn um 3 Uhr nachts nach der Disco dem Mann 3 Sitzgruppen weiter nicht mir nichts dir nichts den Rücken kehren sollte. Denn woher will ich wissen, dass dieser eine mich nicht aus der Bahn zerrt?

Paranoia kann dein Leben retten. Zu übertrieben kann sie dich allerdings auch verrückt machen. Also, schafft euch ein gesundes Maß an Selbstschutz an!!

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