Illusionsbefreiung

Irgendwann kommt jeder mal an den einen Punkt an dem es nicht weiter geht. Man merkt, dass eine Sache sich nicht weiterbewegt, stagniert, in Gefahr schwebt einem völlig den Verstand zu rauben, weil man an ihr einfach nicht weiter kommt. Träume, die man sich über Monate aufgebaut hat, Wünsche, Vorstellungen, sogar Überzeugungen sind plötzlich am platzen. Eine nach der anderen, lautlos und eigentlich schmerzfrei, doch sind all die schillernden Blasen plötzlich nur noch ein feuchter Fleck. 

Von etwas überzeugt sein, an etwas festhalten, weil man denkt "das ist genau mein Ding, das will ich, das kann ich, das MUSS ich einfach tun" - wahrlich ein schönes Gefühl. Man fühlt sich fähig, denkt einen Platz finden zu können in dem großen Ganzen was unsere Welt ausmacht. Doch was, wenn man nach und nach spürt, dass irgendwas an dem Plan falsch zu sein scheint, da man nicht weiter kommt, nicht voll drin aufgeht, sich nicht mit Leidenschaft an etwas so Wichtiges setzen kann um es durchzuziehen? Nur eine vorrübergehende Blockade, ausgelöst durch zu viel Stress und Erwartungen? Das kann man sich lange einreden, man kann lange hoffen und denken dass es leichter werden wird, wenn dieses und jenes Problem verschwunden ist, was offensichtlich den Kopf davon abhält klare, gute Gedanken zu fassen. Doch am Ende muss man den bitteren Geschmack der Illusion endlich wahrnehmen, da nichts anderes mehr zu spüren ist. 

Und dann, steht man plötzlich leer da. Die Tränen laufen und man weiß nicht wieso, könnte man doch glücklich sein, weil alles so gut zu laufen scheint, doch eigentlich weiß man doch wieso. Man hat etwas verloren, wovon man annahm, dass es einfach zu einem gehören muss. Man hat sich selbst ein Stück in der Illusion von etwas verloren, was sich gut anfühlte, hat sich was auf den Leib geschneidert, weil man unbedingt so sein wollte, doch jetzt wird einem der Spiegel vorgehalten und man sieht: Es passt nicht. Nicht zu mir, zu meinen Vorstellungen von der Zukunft, dem, was man einmal leisten möchte, dem, was man verkörpern will. Es passt einfach nicht und es tut schrecklich weh, weil es so lange das Einzige war, woran man festhalten konnte und wollte. 


 Ich bin fast 20. Ich muss noch nicht wissen, was die nächsten 45 Jahre meines Lebens ausfüllen soll, ja, das ist mir bewusst. 

Aber ich dachte, ich wäre auf dem richtigen Weg, dachte ich habe gefunden, was zu mir passt, habe meine Fähigkeiten richtig eingeschätzt. Doch muss ich merken, ich weiß gar nichts, weiß nicht was ich kann und will, weiß nicht wozu ich gut bin und worin ich wirklich von Herzen aufgehen könnte. Weiß nur, dass diese Zeit gerade alles fordert, Abschied, die Kindheit hinter sich lassen, Orientierung suchen, neue Wege erkunden, Neuanfang. Und das ist viel und ganz und gar nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Und mit zwei Schultern nicht zu tragen, für mich zumindest nicht. Noch ein Eingeständnis, das man sich machen muss. Man muss nicht allein sein, man muss nur mutig genug sein, sich fallen zu lassen. Endlich.

I said maybe you're gonna be the one that saves me?

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