timeout, finally

"So ist nunmal die Jugend, sie stellt ihre eigenen Grenzen auf und fragt nicht danach, ob der Körper das mitmacht. Und der Körper macht immer mit."

Bis zu einem bestimmten Punkt, ja. Doch irgendwann kann der Körper die Last der Seele nicht mehr tragen und fängt an einzuknicken. Man kann lange stark sein und einige Schläge einstecken bevor man diesen Punkt erreicht. Der Körper verzeiht mehr, als man denkt. Doch irgendwann ist die Energie auch mal ausgesaugt, wenn man sich nicht erlaubt, sie zwischen der einen anstrengenden Zeit und der darauf folgenden aufzuladen. Wenn man einfach immer weiter rennt, weil man den Gefühlen nicht gewachsen ist, seine eigene ganz persönliche Grenze immer höher setzt, mehr fordert, mehr erreichen will, strenger mit sich wird.

Und dann irgendwann Dunkelheit, stockfinster. Plötzlich. Das Gefühl keine Luft mehr zu bekommen, der Wunsch sich ganz tief unters Bett zu verkraben, auf der Suche nach dem erlösenden Loch, durch das Alice schon fiel, in eine Welt, die so ganz anders ist als die eigene. 

Die eigenen Stopschilder beachten, akzeptieren und darauf reagieren, mit Achtsamkeit, Vorsicht, Fürsorge. Ich wusste lange nicht, wie wichtig das ist, bis ich darauf aufmerksam gemacht wurde, dass mein Körper und mein Wille einfach eine Auszeit brauchen, voneinander.
Ich gehe auf Distanz. Von der Welt, die so viel fordert, von meinen Erwartungen an mich selbst, die mich unter Druck setzen, von Menschen, die mir nicht gut tun, mich einschränken und mir meine Energie zu rauben scheinen, von den To-do Listen und inneren Anforderungen. Das alles ist temporär wichtig, aber vergänglich. Das alles gehört erstickt, wenn die innere Stimme immer lauter schreit, stop, stop, anhalten. 



Zeit ist etwas wahnsinnig schönes, wenn man sie nicht hat. Und wenn man sie dann mal hat, ist es schwerer, sie sinnvoll zu nutzen, als man denkt. Doch sie einfach zu nutzen, um nichts zu tun oder zumindest nur das, was einem wirklich gut tut, das scheint mir am schwersten. Ich hoffe, wir werden noch gute Freunde, die Zeit und ich.

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