Vermisst.

Es gibt für mich zwei Arten zu vermissen. Beide sind sie nicht wirklich angenehm, klar, denn wenn es einem an etwas fehlt, ist das kein absolut freier und befriedigender Zustand. Dennoch gibt es Unterschiede. Kurze Etappen der Sehnsucht beflügeln mich. Wenn ich weiß, in einer Woche sehe ich ihn wieder, dann fieber ich jeden Tag ein bisschen mehr. Es lässt mir richtig bewusst werden, WAS mir fehlt, dennoch nimmt es nicht Formen an, die unerträglich sind, denn das Wiedersehen ist immernoch in greifbarer, ungefährlicher Nähe. Ab und an solche Etappen sind eine kleine Würze für jede Beziehung, man geht erstmal wieder ganz anders aufeinander zu, spürt nochmal mehr dieses "Ohne diesen Menschen will ich nicht". Und ich rede hier nicht von Abhängigkeit. Denn das ist sicherlich und allseitsbekannt eine Sache, die man vermeiden sollte. Trotzdem binden wir uns an einen Menschen und deshalb ist es völlig normal, dass man diese Sehnsuchtsgefühle zulässt. Außerdem gibt es kein schöneres Gefühl, als morgens beim aufwachen zu wissen: heute abend werde ich nicht alleine einschlafen. (Ich werde heute ganz besonders früh schlafen gehen....) 

Und die andere Art, sie könnte wohl gegensätzlicher nicht sein. Keine Gewissheit, wann das Wiedersehen stattfindet, die Liste mit den noch zu überstehenden Tagen will man gar nicht anfangen, denn sie würde alles noch viel gnadenloser bewusst machen. Der Schmerz wird Alltag. Man muss ihn ständig unterschwellig überall hin mit tragen, denn man weiß, nicht morgen, auch nicht in 2 Wochen wird am Abend jemand auf mich warten. Ich würde nicht direkt sagen, dass man resigniert. Dennoch muss man ja weiter machen, sein Leben leben und den Alltag meistern. Und wenn man dann abends alleine im Bett liegt, jeden Tag aufs Neue, sich in sein T-Shirt kuschelt, dass auch nur noch duftet, da man es immerzu mit seinem Parfum einsprüht, spürt man irgendwann nur noch einen dumpfen, pochenden Schmerz in der Brust. Und dann nur noch dumpf. Es verliert sich. Nach und nach. Das Gefühl des "Vermissens", das kribbelnde, unruhige Wogen wird zu einem sanften zarten Schwappen und verläuft sich irgendwann still und leise immer mehr im Sand. Das Vermissen ist wie eine unsichtbare Vorstufe zum Verlust. Passt man nicht auf, wohin man tritt, fällt man hinein und weiß lange Zeit gar nicht, wie einem geschiet.

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