Dort wo das Glück in deiner Seele wohnt geht grad niemand an das Telefon.

Wann genau hat dieser ganze Mist mit dem Verliebtsein eigentlich angefangen schwierig zu werden? Wann kam der Punkt, an dem es nicht mehr nur Schmetterlinge, sondern auch fieße, fette Raupen gab, die einem schwer im Magen liegen und nicht verdaut werden wollen? An dem Liebe nicht nur etwas war, was das Leben ganz nett ergänzt, was Neues und Aufregendes, sondern sich zu einer Lebensaufgabe zu entwickeln schien, Lieben und geliebt  werden - und ich selbst verschwinde dabei Stück für Stück für Stück. Wo war der Punkt, an dem ich mich für die falsche Abbiegung entschieden und vom Weg abgekommen bin, um irgendwo zwischen stacheligen Büschen und achtlos weggeworfenen Versprechen zu landen? Welcher von den Kerlen, die ich in anfänglichem Leichtsinn zu nahe an mich ran ließ, hat mich so zugerichtet? Wem kann ich die Schuld geben, was kann ich verfluchen und verteufeln, um es nicht ständig wieder auf mich zurück führen zu müssen? 


Fakt ist: bevor es jemals schwierig werden konnte, hab ich das sinkende Boot verlassen. Bin abgesprungen, bevor es wirklich zu Ende war, hab mein Interesse weggeworfen wie eine Bananenschale, damit jemand anders drauf ausrutschen kann. Immer, bis auf das eine Mal, bei dem es wirklich wichtig gewesen wäre, den Schritt zu gehen. Ich war oft mies, ich war wirklich mies. Ich war lange nicht das Mädchen, das einfach kein Glück mit den Männern hat, ich habe es vielmehr einfach nicht zugelassen und wollte mehr, Neues, Anderes. Ich wusste nie genau was und wenn, dann war es zu spät. Habe dem am meisten vertraut, dem ich am wenigsten wert war und habe zweite Chancen verteilt, wo schon die erste ein wackeliges Grundgerüst besaß. Ein klarer Fall von "Liebe macht blind und zusätzlich taub, denn wer nicht hören kann, der muss eben am Ende fühlen." Ich habe alles erlebt, was man unter "Erfahrungen" abstempeln und ad acta legen sollte, daraus lernen und gut ist. Doch stattdessen habe ich mich drauf aufgehängt, mit der Gewissheit im Nacken, dass ich es eigentlich besser weiß. Aber was solls, so ne Schlinge um den Hals, die man sich von Zeit zu Zeit mal etwas enger schnürt, ist ja ganz chic. 

Nur mittlerweile merke ich, dass ich verbittert werde. Die einzige Sache, die ich nie war und werden wollte. Ich war verletzt, enttäuscht, sicher, dass ich nie mehr glücklich werden würde, nur um jedes Mal wieder Hoffnung zu schöpfen und mich aufzurichten, weil ich gemerkt habe, es gibt immer etwas, was besser sein kann. Jemand, der dich fasziniert. 

Doch nun bin ich einfach nur verbittert und eine Mischung aus wütend und mitleidig. Mir gegenüber, weil ich so eine hohle, dumme Nuss war und vorallem immernoch bin, die genau weiß, was zu tun ist, dennoch immer und immer wieder die selben Öfen zum brennen bringt, die schon lange nicht mehr mit gutem, frischen Holz, sondern meinen Lieblingsbüchern gefeuert werden. Meine liebsten Geschichten und Hoffnungen zerfallen von Mal zu Mal zu Staub und ich verbrenne mich immer wieder, doch kann mich nicht fernhalten, wie so eine bescheuerte Fliege, die immer wieder mit einem euphorischen Summen an die Glühbirne im Lampenschirm stößt und nicht kapiert, dass das wunderbar warme Licht nicht wirklich das Paradies ist.

Und nun schreibe ich diesen Text, um mich wiedermal zu überzeugen: "LASS ES SEIN MÄDEL. Such dir ne neue Feuerstelle, ne anständige Glühbirne, irgendwas, was wirklich für dich brennt und dich nicht gleichzeitig vernichtet. Tus einfach endlich, es reicht sowas von. Ich kann dein Selbstmitleid nicht mehr sehen, hören, fühlen." Und morgen denke ich an den Text, so den halben bis dreiviertel Tag lang bin ich stark und sicher und weiß, ich kann die Welt erobern. Um dann nach dem allsonntaglichen Tatort ins Bett zu gehen und zu merken "Scheiße, er ist noch da. Nicht weil er ist, wie er ist. Sondern weil er so gar nicht ist, wie ich mir ihn wünsche."

Und dann repeat. Bis es irgendwann mal rein geht, in meine missratene Gehirn-Herz-Maschine.


Kommentare

  1. Ich weiß wohl selbst ganz genau,wie schwer es ist loszulassen und von den alten Verhaltensmustern abzulassen - und sich jedes Mal wieder selbst auf die Finger schlagen.
    Aber,irgendwann wird es leichter abzulassen. Das hoffe ich zumindest. Denn das Herz und der Kopf müssen doch irgendwann dazu lernen.

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