Eine Liebe, die nie endet.

Ich hatte es fast vergessen. Wie es ist, Zeit mit jemand zu verbringen, ohne dass man dabei immer wieder heftig schlucken muss, um die Gefühle und Gedanken, die aufkommen, nicht wie eine rießen Walze über das Herz brettern zu lassen. Habe fast nicht mehr gewusst, wie leicht es sich anfühlen kann, wenn man nicht ständig im inneren Konflikt mit sich selbst steht, mit der Frage: soll ich nun einfach genießen, was der Moment bringt, oder vernünftig denken und mir klar machen, dass es immer nur bei diesen kurzen Momenten bleiben wird und es (egal wie perfekt diese Momente auch sind) einfach keinen Sinn mehr macht und de facto Selbstbetrug auf dem romantischen Niveau bedeutet. Bittere, wichtige Erkenntnis, gerade noch rechtzeitig bei mir angekommen.

Ich neige dazu, von mir zu behaupten, ich sei schwach, nicht konsequent genug und eine Dauerträumerin. Doch was war das dann die letzten Tage? Mit den Gedanken einmal ganz im Moment und weniger in Erinnerungen - das ist neu für mich, und irgendwie gut. 

Und dann ist da immer wieder diese Stadt, diese andauernde, wachsende Erkenntnis, dass ich wirklich hier bin, es aber dann doch wieder nicht glauben können, dass mir das möglich ist und was ein Glück ich damit habe, ja, das sind diese kleinen Momente, in denen mir ein paar heiße Tränen in die Augen steigen, weil ich es einfach nicht fassen kann und ein bisschen stolz bin, dass ich diesen Weg gewählt habe, denn das war alles andere als schwach. Über 600km zwischen das, was weh tut und mich zu setzen. Ist das weglaufen? Oder bedeutet das neue Wege einzuschlagen? Vielleicht ein bisschen von beidem. Ich glaube, manchmal ist weglaufen nicht allzu schlecht, manchmal läuft man sich gesund, stark und in die richtige Richtung und landet auf einem Weg, der vielleicht nicht unbedingt weniger steinig und steil, aber dafür mit schönerem Ausblick ist. Und ganz ehrlich, für diesen Ausblick hier würde ich sterben. Jedes Mal aufs Neue verliebe ich mich in diese Stadt, wenn ich am Hafen sitze und die Möwen kreischen höre und plötzlich am Meer bin, wenn ich den Wind in meinen Haaren spüre und die Weite, die mir zuhause so sehr fehlte. Bei jedem "Moin, moin" geht mir das Herz ein bisschen auf und ich will einfach nur dazugehören. Mich am richtigen Ort wissen und verliebt sein in das, was nicht wegläuft, keine Angst hat, mich einfach nicht im Stich lässt.


Daran kann man sich schonmal festhalten, wenn die richtige Liebe versagt, wenn das Herz erstmal die Fensterläden schließt und sich zum Regenerieren mit "Jane Eyre" ins Bett verkriecht, um am Ende wieder daran zu glauben, an die großen Gefühle, wahre Hingabe und die kleinen Wunder, zur richtigen Zeit und an diesem Ort.


Who can I run to 
who can I cry to 
who can I trust with my life when I have to?

Kommentare

  1. Wow was für ein schöner Text!
    Ich hoffe dieses Gefühl hält noch ganz lange an :)

    Grüße,

    Mindbroken

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