kein Ohr für deinen Bauch gehabt

Ich kann schreiben wenn ich richtig wütend bin, dann sprudeln die Worte schneller, als ich tippen kann. Wenn ich zutiefst zerstört bin, wenn ich vor Glück überschäumen könnte. Immer dann kommt es aus mir heraus, sucht sich Bedeutung und landet auf den Tasten, dem Papier. 

Gerade, da saß ich stundenlang vor der leeren Seite. Bin nicht todtraurig, auch nicht überglücklich, habe keinen Groll, bin nichts von all dem wirklich, fühle mich einfach okay. Mehr leer als überfüllt, meine Gedanken träge, das Rauschen in meinem Kopf nur noch ein leises Rascheln. Ich bin da. Bin jeden Tag glücklich, dann wieder eher betrübt, fühle mich gut, und unwohl im nächsten Moment. Ich bin alles, nicht wirklich was. Ich bin da. Ich habe heute erklärt bekommen, wie sich das große Glück anfühlt, habe nach vergleichbaren Momenten in meinem Leben gesucht und... gesucht und....gesucht. Keine Erinnerung war so stark, kein Gefühl hat mich so überzeugt, dass ich mich nun erinnern würde. Im Moment. Ich vermute, es gibt sie irgendwo, wäre traurig wenn nicht, nur das Suchen, das ist mir gerade zu anstrengend.


Ich müsste so viel fühlen gerade, müsste überglücklich sein, oder zumindest trauern, müsste vermissen und Verlust spüren, mein Kopfkino müsste sich überschlagen und ich sollte nur an den einen Moment denken, an dem ich etwas so Großes und Wichtiges verloren habe. An den letzten Blick, das letzte Blinzeln. Vielleicht würde ich das, wäre ich dabei gewesen. Aber ich war nicht da. 

Drücke mich vor dem Schmerz, der Erkenntnis, dass nichts mehr so ist, wie es mal war. Alles was ich weiß, es geht weiter. Besser weiter, freier, leicher, hoffnungsvoller. Ich weiß, ich bin da und bin stark und kann ausbrechen, wenn ich will. Kann alles stehen und liegen lassen und mich davon machen. Auszeit nehmen. Doch wohin, wenn das Meer langsam selbstverständlich wird? Wo die Zuflucht finden, wenn die Weite nicht mehr beruhigend wirkt, sondern nahezu neutral? Zu mir, ganz einfach zu mir zurück.

Gerade schreibe ich. Aus einer "Ich bin so neutral, mich berührt nichts" - Stimmung heraus. Doch dass ich das gerade dennoch kann, sagt mir etwas anderes. Ich bin da, ja. Aber ich bin mehr als nur da, ich muss nur langsam akzeptieren, wofür ich da bin.

Kommentare

  1. Sehr schön, wie Du Deine Gefühle wahrnehmen kannst, und das was gerade jetzt ist.
    Hab Dich lieb!
    Mama

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  2. wunderschön, du berührst mich einfach jedes mal!

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  3. Hut ab dafür, dass du so tolle Worte findest, in einer "Ich bin so neutral, mich berührt nichts"-Stimmung. Bei mir geht da meistens nichts und das lässt mich so verzweifeln.

    Dein Blog gehört wirklich zu denen, die ich am liebsten lese, weil ich mich immer in deinen Texten wiederfinden kann. Da warte ich auch gerne ein paar Tage länger :)

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    1. Danke für deine lieben Worte, ja manchmal muss man irgendwie diese "NeutralStimmung" durchbrechen indem man sich zwingt, das zu tun, was einem doch immer wieder hilft... und ja, irgendwie hat es auch wieder helfen können und mich aufgetaut.

      Mir geht es genauso mit deinem Blog, das ist immer wieder so eine Bereicherung deine Worte zu lesen und sich darin zu finden. :)

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