Its okay to be...

Weihnachten, vollgefressen, bewegungslos im Bett. So langsam wäre es mal wieder an der Zeit, für den alljährlichen Jahresabschlussbericht, doch wenn ich zurück denke, an die vergangenen 12 Monate, ist mir nur nach Einem: ganz laut Musik aufdrehen und "I´m a barbie girl" singend alles leugnen, was war. "life in plastic, it´s fantastic".

Nein, dieses Mal ziehe ich kein Resüme über verlorene Liebe und wiedergewonnene Freiheit, über die Momente, die mir den Atem raubten und die, die mich nach Luft schnappen ließen. Kein Wort geht an dich und dich und an alle, denen ich dieses Jahr gegen das Bein und eventuell höher getreten habe, an die, die mich und die ich enttäuscht habe und an mein Studium schon gar nicht, dem bin ich zu viel schuldig, als dass ich ihm jetzt in die Augen schauen wollte. 

Ich mache das jetzt mal anders, ich schaue nicht mehr zurück. Sonst sitze ich gleich hier heulend und mit der zweiten Tüte Schlümpfe, die mir mein Magen dann sicher nicht mehr verzeiht heute. Was jetzt kommt, ist ein Jahresanfangsbericht, eine Vorschau auf das, was kommen wird, ein Trailer des 2015 herauskommenden Dramas Dokumentarfilms:
" Fräulein K. und die Reise zu den Pinguinen ins Glück.


Und das wird so aussehen: Anfang Januar starte ich nach einem wundervollen Silvester ohne Kater (ja, das wirklich) und ohne tränenreiche, vergangene Nacht ins neue Jahr. Ich habe den Jahreswechsel mit den Menschen verbracht, die mir am wichtigsten sind und da wird keiner fehlen, alle sind da und mögen sich und keiner will sich schlagen.

Ich beginne sofort mit meinem natürlich noch Ende des letzten Jahres erstellten Lernplans, sitze täglich meine vorgegebenen Stunden dran und kann mir mehr merken, als je zuvor, weil mein Kopf einfach so wunderbar leer ist und in ihm nichts herumschwirrt, was mich davon abhalten könnte, mich zu konzentrieren. Schon gar keine Gedanken an das andere Geschlecht, den damit habe ich erstmal auch abgeschlossen, der Januar gehört ganz der Prüfungsvorbereitung und weil ich so pflichtbewusst bin, kann mich davon auch rein gar nichts abbringen. Auch kein Pärchenkitsch um mich herum und der Wunsch nach einem warmen Bett. Nein, mein Strandkorb und ich, wir beamen uns in der Zeit alltäglich ans Meer und lassen allen Gefühlskram hinter uns, das war der Deal.

Die Prüfungen werde ich natürlich auch alle neun problemlos mitschreiben, ist ja nichts auf Note, alles nur bestehen (omg, wieso erinnere ich mich gerade daran) und ich werde in der Zeit, weil ich solch eine innerliche Entspannung aufgebaut habe, durch tägliche Meditation und Übungen, keine Ausraster haben, ich werde genug essen und schlafen und bestimmt ist mir auch keinen Tag lang hundeelend vor lauter Angst, zu versagen. Da steh ich drüber, ab dem neuen Jahr, ganz, ganz bestimmt. Wofür wäre das auch sonst gut. Nebenher werde ich auch weiterhin viel Sport machen, die Zeit dazu findet man ja immer zwischen nicht-schlafen und nicht-essen und grübeln.

Und wenn ich das dann geschafft habe, hat mich das Leben wieder. Erstmal wird feiern angesagt sein und ich werde den Spaß meines Lebens haben, immernoch niemanden vermissen und keine Herzschmerzen verspüren, nein, ich werde einfach mal so sein, wie ich bin. Sorglos und Frei.

Die Semesterferien verbringe ich dann in Norwegen und Schweden, da wollte ich schon immer mal hin und habe es mir natürlich auch gleich möglich gemacht, ich fackel nicht lange, wenn ich einen Traum habe, sondern gehe ihm nach. Natürlich reise ich da auch nicht alleine, nein, ich werde total verliebt unterwegs sein und nichts kann mich mehr schocken, keinerlei Ängste und bestimmt keine Spinnen (hoffentlich wirklich nicht, in Norwegen....).

Okay, stop, nun wird es mir zu anstrengend. Ich bin im März angekommen und kann schon kaum noch schlucken, vor lauter Perfektion in diesem Leben, das da vor mir liegt und mir den Hals zu schnürt. 

So könnte es laufen, ja. Wäre ich nicht ich, sondern irgendeine Maschine, ein gefühlstechnisch gesundes, normales Mädchen, das sich nie Probleme anlacht, sich nie zu viele Gedanken macht und eigentlich sowieso nicht all zu viel denkt. Gerade, da dachte ich echt kurz, so wäre ich gerne. Dann begann ich zu schreiben und zu fantasieren, malte mir den Januar und Februar in den schönsten Farben aus, doch eben wurde mir plötzlich eins klar: Es ist Winter. 

Es ist okay, wenn es noch nicht alles schillerndbunt strahlt in den nächsten zwei Monaten, es ist okay, wenn das Jahr Startschwierigkeiten hat und ich ab und an stolpere, es ist okay, wenn ich vermisse und mich sehne, es ist okay, wenn ich nicht einfach abschalten kann und mir Sorgen mache, es ist nicht okay, wenn ich alle Prüfungen sausen lasse, aber es ist okay, wenn ich nicht alle schaffe. Es ist okay, wenn ich vor Erschöpfung ausraste, es ist jemand da, der mich hält. Es ist okay, wenn ich an manchen Tagen allerlei Mist in mich reinfutter oder auch mal gar nichts runter bekomme. Es ist okay, wenn ich nach den Prüfungen erstmal die Nase voll habe und eine Woche im Bett mit einem Buch und ohne Handy verbringe (als ob) und es ist okay, wenn ich in den Ferien nicht in der Sonne Cocktails schlürfe (oder vielmehr im Schnee nach Bären Ausschau halte). Es ist okay, wenn ich weiterhin Angst habe, aber es ist nicht okay, wenn ich nicht dagegen angehe (das mit den Spinnen wird immer okay sein, das ist völlig weiblich gerechtfertigt).


Es ist okay, dass mein Leben auch weiterhin nicht auf vollem Erfolgskurs laufen wird, es ist absolut okay. Weil ich mir Mühe geben werde, dennoch das Beste draus zu machen und weil ich glücklich sein werde, in ganz vielen Momenten.

Und das zu erkennen, macht es irgendwie auch gerade echt okay, dass das letzte Jahr genauso lief. Es war alles völlig okay, was passiert ist. Manches weniger als andere Dinge, einiges bereue ich und auf vieles bin ich nicht sonderlich stolz, aber das macht nichts, denn das bin ich, und wäre das mal anders, würde das alles mal reibungslos und dramafrei sein, wäre ich plötzlich einfach und unkompliziert, dann wäre das alles, aber nicht mein Leben. Und das wäre ganz und gar nicht OKAY.


Kommentare

  1. Ich liebte deine Texte in diesem Jahr (gerade weil sie eben von dir und deinem (nicht perfekten) Leben sind und ich mich so oft mit ihnen identifizieren konnte) und ich freue mich sehr darauf, auch im nächsten Jahr von dir zu hören. Auch ich bin froh, das Jahr 2014 abzuschliessen und habe mir so einiges fürs 2015 vorgenommen. Ein neuer Versuch. Neuer Schwung. Ich bin dabei.

    Liebst, Nadja

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