natural desaster

Ich bin noch da auch wenn ich mich nicht wirklich spüre. 5 Tage hintereinander ein Gedanke: schreiben, du solltest schreiben. Du hast Zeit und einen Grund. Nimm dir Kekse und Tee, verstecke dich im Strandkorb und leg los. Jeden Tag das selbe Bild vor Augen, doch es bleibt in meinem Kopf, ich schaffe es nicht.
Von 100 auf -5 in knapp 700km. Aus der großen, weiten Welt zurück in mein Schneckenhaus. Ich will so gerne schreiben, deshalb tippe ich hier gerade ein bisschen zögerlich vor mich hin, doch die Furcht sitzt neben mir und pikst mir in den Bauch. Ich denke so viel, doch ich denke kaum einen Gedanken zu Ende, wie kann ich da schreiben, ohne über die Worte zu stolpern, mich zu verheddern und schließlich zu fallen, weil ich die alles erlösende Erkenntnis am Ende nicht finde, das Chaos in mir sich nicht kurzzeitig legt. 

... 3 Tage später, ich habs ja geahnt. Aber ohne den Anfang würde ich nun nicht wieder hier sitzen, das weiß ich. Manchmal ist herantasten ok, man muss nicht immer gleich mit einem Sprung ins kühle Nass hüpfen (ich hab dafür sowieso zu sehr Angst vorm Herzkasper) sondern kann auch langsam ins Wasser tapsend den inneren Schweinehund besiegen. Denke ich.

Seit ich die ersten Zeilen geschrieben habe, ist nicht viel passiert. Ich blieb mir selbst untreu und habe mich mit Serien, die meinem mit viel Fantasie gespicktem Wesen nicht gut tun (Mörder und Verbrecher an jeder Ecke, danke Criminal Minds), unter die Decke verkrochen, während draußen die Sonne ganz schön fies grinste, und das in einer Stadt wie Hamburg. Im September. Zum Glück meinte das Wetter es so gut mit mir, dass es immer schlagartig schlechter wurde, als ich mich endlich aufraffen wollte, mal raus zu gehen. 

Kurzum, das war ne scheiß´ Woche. Ich habe die Zeit vergeudet, ohne mich ein bisschen gut damit zu fühlen, wie man es dann tut, wenn man eigentlich gar keine Zeit hat und dann doch ein kleines Fenster erhascht, in dem man sich in die Kissen kuscheln kann. Nichts da. Ich war einfach ein kleines Wrack und das hab ich mir verdammt übel genommen, statt etwas Nachsichtig zu sein.

Heute ist Montag, ich habe wieder geträumt, dass ich Opfer eines Gewaltverbrechens wurde und habe heute morgen gleich mal eine Folge Criminal Minds angeschalten. Doch etwas war anders. Keine Decke überm Kopf. Ich hab den Laptop mitgenommen, in die Küche und ins Bad, hab einen Kuchen gebacken, einfach so, und hab sauber gemacht und der Serie die Aufgabe der Hintergrundbelustigung überlassen. Ich habe eine Liste geschrieben mit Dingen, die ich heute gerne erledigen würde, auch wenn da unter anderem sowas wie "Nägel neu lackieren" stand. Jeder winzig kleine Erfolg zählt bei mir gerade, den ein kleines bisschen besser fühlen ist wie eine große Tasse heiße Schokolade im Winter - psychische Umarmung hoch 10.

Und dann bin ich einfach raus. Hab im Pilates meine Körpermitte angespannt als gäbe es nichts Schöneres und habe endlich die Urlaubsfilme zum Entwickeln gebracht. Die Vorfreude aufs abholen in ein paar Tage gespürt. Ich habe mich einfach weil mir danach war in ein Cafe gesetzt und einen Salat gegessen und hab mich riesig über die Tasse Tee gefreut, die man mir einfach dazu geschenkt hat - so gut hat mir schon lange kein Tee mehr geschmeckt. Ich saß einfach da, hab gelesen und habe mich unglaublich frei und gut gefühlt, es war zu kalt in meinem Top, aber die Sonne war dennoch gnädig und hat nicht aufgehört mich zu begleiten. 

Und da war ich plötzlich wieder da. Mit meinen türkisenen Kopfhörern bin ich durch die Straßen geschlendert, mit diesem einen Song im Kopf, der nicht mehr aufhört gut zu tun und ich habe gelächelt. Einfach so. Dem kleinen weinenden Jungen entgegen. Wenn er aufgehört hätte zu weinen und ebenfalls gelächelt hätte wäre das filmreif gewesen, aber so war das auch schon gar nicht so schlecht. Für ´nen Montag, der erste Tag von 2 Wochen, die noch frei vor mir liegen, die ich nutzen kann. 

Die letzte Woche war nicht vergeudet. Sie war nur der Ressourcen gemäß nicht optimal ausgeschöpft. Aber wo auch immer der Grund dafür lag, heute weiß ich, es geht immer weiter und was scheiße ist, muss nicht scheiße bleiben, das Grübeln hat irgendwann ein Ende und man rappelt sich immer wieder auf, den fürs unglücklichsein bestimmt ist niemand von uns.

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