Single in the Rain

Allein sein ist schön, wenn man es nicht muss.

Eine Aussage, bei der sich in mir alles kräuselt und windet, denn nein, finde ich nicht. Ich finde allein sein (jetzt mal abgesehen von irgendwo im Urwald nachts, oder in der Wüste bei 50°C, also den Extremfällen) eigentlich meist ständig ziemlich prima, denn es gibt einem endlich mal die Möglichkeit durchzuatmen und sich fallen zu lassen, so richtig, unromantisch, abgeschminkt und in Jogginghose oder voller Montour mit dem Gesicht nach vorne ins ungemachte Bett, dann vielleicht noch ein, zwei, fünf Eis genascht und die hunderste Folge Gossip Girl nochmal geschaut. Ohne Filter und Inszenierung a la "qualitytime with myself": Weinglas, Erdbeeren und ein paar Kerzen auf dem Couchtisch, ein Buch ganz zufällig aufgeschlagen daneben trapiert, weil qualitiy kommt ja nicht aus der Röhre. Stimmt, muss nicht sein, wenn doch ist das aber auch nicht schlimm. Quality ist für mich eher das "Ich freu mich auf zu Hause, in der Abendsonne auf dem Sofa sitzen und essen und vorallem auf das ENDLICH allein sein, keiner der mich nervt, verletzt, bei dem ich scheiße freundlich sein muss oder dem ich kluge Antworten geben sollte, um zu beeindrucken. Keiner. Außer Nalathecat, die mich klagend anmaunzt wenn ich zur Tür rein komme, sich dann aber auf jeden Teppich in meinem Weg zum Fressnapf schmeißt und sich richtig ins Zeug legt um sich ihr Fressen zu verdienen. Die weiß auch ganz genau, was allein sein bedeutet.

Ich beneide keinen, der nie alleine ist, der immer im Trouble, auf 100 Hochzeiten gleichzeitig tanzt und das dann als "ich liebe mein busy lifestyle und meine 1092 babes" bezeichnet. Wen es glücklich macht, okay. aber ich finde, um wirklich glücklich zu sein, muss man sich besonders in den ruhigen Stunden, in denen keiner was von dir wissen will und dein Handy auch mal stumm bleibt, mögen, denn das ist tausendmal schwerer als seine "Mädelsabend"- oder "Party-hard"- Maske aufzusetzen und raus zu gehen. Das ist Konfrontation pur, mit dem was man ist und was man vielleicht oft verdrängen möchte. Mit den unerfüllten Sehnsüchten, die man zu oft in Alkohol ertränkt und den quälenden Erinnerungen an Ihn, die immer wieder aufkommen, wenn man gerade denkt, man ist drüber weg. 

Zu aller Schande muss ich jetzt gestehen - ich war nie lange alleine, zumindest was die Männer angeht nicht. Wenn es nicht gerade ein fliegender Wechsel oder ein ungewisses hin und her war, gab es seit ich 16 bin eigentlich keine 2 Monate am Stück, in denen ich nicht irgendeine Sache  (und da ich nicht so der Affärentyp bin meist gleich Beziehungen) am Laufen hatte, die entweder der großen Liebe gleich, oder ein kleines Ablenkungsdesaster war. Meist in genau dem Wechsel. Ich bin da nicht stolz drauf und ich bereue so einiges, aber so im Nachhinein muss ich sagen, so viel wie ich in der Zeit über Männer im Allgemeinen und ein paar Bestimmte im Besonderen gelernt habe, brauche ich keinen Ratgeber, der mir sagt, dass nun einmal eine Pause angesagt ist. Diese Warnglocke läutet schon länger in mir drin, sehr, sehr laut und eindringlich. 

Ich habe einfach kein Bock mehr. Nicht auf anfängliches Rantasten und Flirten, nicht auf Komplimente und charmantes Verhalten, dass die meisten eh nach ein paar Wochen oder Monaten ablegen. Die größten Schwätzer waren am Ende meist auch die peinlichsten Feiglinge, die Suche nach Ritterlichkeit ist ungefähr so sinnvoll, wie mit dem Handy in der Vorlesung sitzen. Man kanns probieren, aber weiß eigentlich von Vorneherein schon, dass das nicht gut gehen kann. 

Ich bin erschöpft, vom ewigen Hoffen und Bemühen, ich will mich nicht mehr für jemand schick machen und genau wissen, welche Sprüche er bringt und in welche Richtung das Treffen geht. Ich will wieder überrascht werden, begeistert, vom Hocker gerissen. Ich will nicht die sein, die zu erst schreibt, sondern ihn an meiner Tür klingeln hören, ich will wieder so behandelt werden, wie es jede Frau verdient, nicht wie eine Prinzessin und auf Händen muss mich auch keiner hieven, aber ein bisschen wertvoll und besonders fühlen wäre schon nicht schlecht. Und wenn er dann noch mit dem Rasenmäher und Ghettoblaster vorfährt, dann ist es sowieso vorbei mit mir.

Aber da diese Utopie einfach gerade nicht in mein Leben zu passen scheint (und leider auch nur wieder die Anfangsrosawolkenidylle darstellt) gebe ich mich auch mit Nichts zufrieden. Denn nichts kann im Vergleich zu dem, was ich haben könnte, ganz schön viel und ziemlich wertvoll sein. Und aus Nichts kann man auch wieder einiges bauen und wenn es auch nur erstmal wieder ein besseres Selbstwertgefühl und ein, zwei Kilo weniger sind (weil endlich wieder mehr Zeit für mich und so...).




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